So war es für Michael G.

Der Michael ist dei GST gefahren und hat folgende Mail (Auszüge) geschickt:

Hallo GST,

nachdem ich erst einmal ein paar Tage gebraucht habe, um die Woche GST sacken zu lassen, hier ein paar persönliche Eindrücke zu der Veranstaltung.

Ich glaube, ich bin der Einzige, der der ganzen Sache wenig Positives abringen konnte. Schon als damals der erste Bericht in der Bike erschien, hatte ich für mich entschieden, dass dies nichts für mich sei. Die Hauptgründe waren eher landschaftlicher Natur – zu langweilig. Wäre da nicht die Tour Divide im nächsten Jahr, hätte ich mich sicherlich nicht angemeldet. Also meine Beweggründe zur Teilnahme an der GST waren eher rein egoistischer Natur. Material, Ausrüstung und Fitness testen für die TD. Wenn ich nicht dieses Ziel vor Augen gehabt hätte, wäre ich wahrscheinlich zwischendrin ausgestiegen, weil einiges bei der GST für mich rein persönlich wenig mit Mountainbiken zu tun hat. Bis auf die etwas längeren Anstiege und die Lochplatten kann ich alles andere auch hier bei mir zu hause vor der Tür haben. Passagen, die bei der GST anscheinend zum „guten Ton“ gehören, vermeide ich tunlichst während meiner Trainingsrunden, weil sie mir einfach keinen Spaß machen. Aber hier denke ich, prallen einfach unterschiedliche Philosophien aufeinander, die man jetzt nicht auseinander diskutieren muß.

Die  Punkte im Einzelnen:

Bei mir gilt eigentlich die Devise – Wo im Sommer kein Weg zu erkennen ist, gibt es auch keinen Weg! Es ist mir klar, dass viele Passagen im Winter oder Frühjahr getrackt wurden, als der Bewuchs noch gar nicht oder nur zum kleinen Teil vorhanden war.

Das Thema brusthohe Brennessel/Distelfelder hatte ich ja schon mal kurz angesprochen. Das geht meiner Meinung nach gar nicht. Graspassagen meide ich i.d.R auch, da man blind darauf vertrauen muß, dass derjenige, der die Passage gescoutet hat, einen nicht plötzlich in eine tiefere Rinne oder Kuhle fallen lässt. Oder das der Bauer beim letzten Pflügen nicht irgendein dicken Wacker mit nach oben befördert hat, wo man dann draufkracht. Der Adrenalinspiegel ist immer ein wenig höher, wenn man den Untergrund nicht sehen kann. Das gleiche Thema gilt bei den Lochplatten. Ich möchte mir nicht vorstellen mit 50/60 Sachen einen bewachsenen Lochplattenweg herunterzukacheln und plötzlich fehlt mal eine Platte. In der Hinsicht ist ja alles noch einmal gut gegangen.

Kuhweiden, Bauern und Getreidefelder.

Ich kann verstehen, Wegerecht hin oder her, wenn ein Bauer verärgert reagiert, wenn man versucht gleich 3 oder 4 Weiden durch und über Zäune zu überqueren (…). Muß das sein? Nur um ein paar Meter Straße zu sparen?

Waldwege:

Ähnliches gilt für einige Passagen, wo es im Wald vom Hauptweg mitten durch die Waldflora ging. Irgendwann mag es vielleicht einmal dort einen Trail gegeben haben. Nur der war mittlerweile nur ansatzweise zu erahnen und wieder zugewachsen (zweimal passiert). Stattdessen pflügen wir über die Pflanzen und drücken wieder alles platt.

Das sind alles Punkte, die man sicherlich anders sehen kann. Aber über eine Sache solltet Ihr noch einmal eindringlich nachdenken! Die Veranstaltung ist als Selbstversorger-Event ausgeschrieben. Einige Teilnehmer sind deshalb mit Saddlebag unterwegs. Fahrtechnisch fand ich die Runde nicht zu anspruchsvoll. Wird sie aber, wenn es nass ist. Bei steilen Passagen (Wiese, bemooste Lochplatte oder Trails mit vielen glatten Steinen) drückt das Gewicht Bike + Ausrüstung + Fahrer unvermittelt nach unten. Entweder rollt man zu schnell oder man rutscht nur noch bergab. Der Notabstieg über den Sattel ist wegen des Sattlebags nicht möglich. Ich bin zu hause im Vorfeld extra steilere Trails gefahren. Aber leider nur im trockenen Zustand. Man guckt ganz schön doof aus der Wäsche, wenn man absteigen muß und nicht kann, weil das Saddlebag im Weg ist. Das hat dann nichts mehr mit Fahrtechnik zu tun. Das ist reine Physik. Oft ist der Einstieg flach und plötzlich hängt man im Hang. An einem kurzen steilen und nassen Wiesenhang irgendwo in der Rhön hat es mich dann gelegt. Danach wusste ich um das Manko mit dem Saddlebag und bin, wo es kritisch wurde, meistens an nassen steilen Passagen,  vorzeitig abgestiegen. Auf den letzten 100Km gab es auch irgendwo ein sehr steiles bemoostes Lochplattenstück. Zum Glück war es trocken. Bei Nässe halsbrecherisch, zudem der Abschnitt noch von oben mit niedrigem Buschwerk überwachsen war.

Wir waren oft zu Viert unterwegs und haben schon teilweise heftig über die Streckenwahl diskutiert. Der eine will mehr Trails, der andere mehr Forstwege usw. Recht machen kann man es so wieso niemanden.

Ich denke, ein Grund für den relativ niedrigen Trailanteil ist genau der Punkt mit den recht schweren Bikes solche Trails zu beackern. Im Allgemeinen sind Trailabfahrten (zumindest bei uns) immer relativ steil. Also Ihr tut gut daran aufgrund der Saddlebagproblematik auf solche Trails zu verzichten. Oder Ihr weist im Vorfeld explizit darauf hin!

Viele werden wahrscheinlich über das viele Asphaltgekurve ab Mellrichstadt bis Neustadt meckern. Nach all den harten Tagen empfand ich das als sehr entspannend. Außerdem ist dies fast das einzige Stück, was man durchaus auch nachts fahren könnte.

Zum Teil hat man schon gemerkt wenn die Scouts gewechselt haben. Steckenabschnitte wirkten auf einmal mehr durchdacht, als sinnlos blindlings durch die Landschaft geroutet. Vielleicht hindert Euch auch die 7,5Km-Reglung an eine “ausgewogenere“ Streckenwahl. Eventuell denkt einmal darüber nach diese weiter aufzuweichen.

Hilfreich wäre außerdem der Hinweis auf Eurer Homepage auf eine Zeckenimpfung!!! Die hat nicht jeder!

Eine Starterliste mit allen Namen, vielleicht dem Alter und mit welchem Bike gefahren wird, wäre ein nettes add on! Macht natürlich zusätzliche Arbeit!

Da das Event schon kostenlos ist, würde ich SPOT’s zur Pflicht machen. Erstens, weil es einfach Spaß macht zu verfolgen, wo sich die „Konkurrenz“ gerade befindet. Und sicherlich aufgrund der oft doch sehr einsamen Abschnitte (gerade in der Rhön). Passiert dort etwas, kann es Stunden dauern, bis der nächste Fahrer vorbeikommt.

Die schönsten Abschnitte für mich waren die Stücke ab kurz vor der Teufelskanzel über Bad Sooden bis nach Wildeck. Das war leider der Regentag. Und das Stück Tettau bis kurz nach Hirschberg, dort wo die Lochplatten anfangen. Die Passagen fand ein Nörgler wie ich sogar genial!

In der Tat waren die Lochplatten eine bereichernde Erfahrung!

Die GPS Tracks schicke ich ungekürzt. Verfahrer sind also noch alle enthalten. Im Track GST ET8 habe ich eine kleine Alternative in Nordhalben mit zwei Wegpunkten markiert. Warum außen herum um die Stadt fahren? Stattdessen kann man am Kreisverkehr geradeaus fahren, hat darauf rechts sofort einen Supermarkt und kann dann gleich weiter in die Stadt hinein (Bäcker, Gasthof etc.). Wieder zurück auf den Track kommt man schnell durch einen kleinen Park und weiter über einen kleinen Singletrail! Sehr nett!

Fazit: Leider nicht die Veranstaltung für mich. Trotzdem war ich überrascht wie weit vorne ich am Ende gelandet bin, obwohl Ultralangstreckenrennen Neuland für mich sind und ich mich eher gut bis mäßig darauf vorbereitet habe. Über das gute Abschneiden habe ich mich sehr gefreut und mit dem nötigen Ergeiz wäre sicherlich noch mehr drin gewesen. Der fehlte mir aber aufgrund der oben angesprochenen „Widrigkeiten“. Denn Konditionell war ich noch nicht am Ende.

Ich glaube es gibt kein besseres Event, um sich mit Mensch und Material auf die Tour Divide vorzubereiten. Bis auf Schnee war alles vorhanden. Umso zufriedener bin ich mit meiner Leistung und der Gewissheit, dass sich die viele Zeit, die ich bisher in der Suche und Auswahl meines Materials und der Ausrüstung voll bezahlt gemacht hat. Obwohl ich am Anfang eher skeptisch war, da ich neben dem Rahmen noch Lenker und Sattelstütze aus Carbon habe und oft gedacht habe – „Gleicht fliegt mir eines der Teile um die Ohren“, hat alles gehalten.

Von daher vielen herzlichen Dank an alle, die diese Event ermöglicht haben. Denn hätte ich mir selber eine Teststrecke zusammengeroutet, wäre die sicherlich nicht ansatzweise so hart gewesen wie die Streckenführung der GST! Und mittlerweile kann ich sogar über einige Dinge schmunzeln.

Gruß

Michael

… Wenn ich eine These aufstellen darf, dann wird dies der Blog-Eintrag mit den meisten Kommentaren werden … und Walter ist sicher der erste … (GuF)

15 Kommentare

  1. Beat Freitag, der 29. Juni 2012 at 15:01

    gibt da so ein Werbeslogan von fishermans…………….

    wir haben abgebrochen, werden es ev. nächstes Jahr noch mal probieren.

    Nun wissen wir ja was auf uns zukommen würde

    Beat

    Reply
  2. Joachim Freitag, der 29. Juni 2012 at 15:44

    …da treffen wohl in der tat zwei philosophien aufeinander.

    als ich 2011 mitgefahren bin wusste ich durch efahrungsberichte und videos etc ungefähr was auf mich zukommen würde. gerade die verwegenen strecken haben mich gereizt….
    …dass es dann so knackig werden würde, wenn man die strapazen am eigenen leibe erfährt…hätte ich nicht gedacht.
    bin da aber auch nicht mit einem sportlichen anspruch ran gegangen. habs eher als abenteuer-fahrt mitten durch deutschland gesehen….

    hatte auch das gefühl im starterfeld, dass zwar alle zusammen starten und auch zusammen fahren, aber das letzten endes jeder seine eigene tour fährt mit seiner eigenen philosophie….

    Ohne mich mit der TD groß auseinandergesetzt zu haben, frage ich mich wie dort die Streckenführung ist? fährt man da nur auf ausgeschilderten mtb-tracks oder asphaltierten highways?
    4418km ist noch mal ne andere Hausnummer. Da würde ich erstmal von Südtirol bis zum Nordkap fahren und jeden Hügel mitnehmen…=) wäre das nicht eine interessante TD für Europa? =)

    Reply
  3. René Fischer Freitag, der 29. Juni 2012 at 15:50

    Kein Kommentar!

    Ich schau dann mal gespannt am 8.Juni 2013 auf die bekannte Seite :-)!

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  4. Thomas Freitag, der 29. Juni 2012 at 16:45

    Moin,

    wie hatten in der Tat am letzten Tag einige Diskussionen über die Streckenwahl.

    Ich bin da generell ja nie so zimperlich und bin fahrtechnisch während der GST nie wirklich an meinen Grenzen gekommen. Allerdings riskier ich auch hier und da mal mehr. Die angesprochene steile Lochplatten Abfahrt am letzten Tag, hätte ich allerdings auch schiebend schwer gemeistert wenn es Naß gewesen wäre. Ich hatte da aber mit meinem Flohgewicht bei trockenen Bedingungen keine Probleme.

    Mich hat es zwischendurch auch 2 mal gelegt. Einmal auf der Lochplatte am zweiten Tag und später am Regentag in einer Wiesenabfahrt. An der stelle wuchs kein Gras mehr und der schlamm zwang mich zu Boden.

    Die Wiesen- und Ackerdurchfahrten fand ich nicht sonderlich schlimm. Durch ein frisch bestelltes Feld hätte es trotzdem nicht gehen müssen. Der Inhalt der Rund-SMS hätte schon von vornherein in Travemünde beim Start, besprochen werden sollen. Steht man vor einem frischen Feld ohne Wege gibts halt mal einen selbstgesuchten Umweg.

    Die Umfahrung in Nordhalben kann ich auch nur empfehlen. Vor allem wegen der zwei speziellen Bäckerdamen. Und der kurze Trail runter zum Track war auch sehr nett. Zu mal es der letzte Ort war in dem es vor dem Dreiländereck ohne riesen Umweg eine Einkaufsmöglichkeit gab.

    Ganz besonderen Dank noch an Walter für den Wurzeltrail im Saaletal. :-)

    Aber auch ich kann nur sagen, jedem kann man es nicht Recht machen.

    …ansonsten wundert mich das der Micha noch nicht gefragt hat.

    Er hätte gern noch 30 dieser Lochplatten für´s Training in seinem Garten.

    Reply
  5. #5 Mad Freitag, der 29. Juni 2012 at 19:03

    Eine Flugreise nach Nordamerika richtet womöglich einen grösseren Schaden an, als mit einem Fahrrad durch die Waldflora zu brettern.
    Wie wäre es stattdessen mit der GST auf einem Einrad?

    :-D

    Reply
  6. Michael Freitag, der 29. Juni 2012 at 19:21

    @René: Start ist der 14.06.2013 – wenn es dabei bleibt!

    Stimmt, die 30 Lochplatten hatte ich schon wieder ganz vergessen. Ich weiß nur nicht, wo man die jetzt noch her bekommt! Ich würde mir nämlich gerne damit einen kleinen Parkour im Garten aufbauen!

    Reply
  7. Jens Samstag, der 30. Juni 2012 at 22:32

    Haha,gute Mail :-) vergiß nicht genügend Taschentücher mitzunehmen,zur großen Tour durch die Rockies :-)

    Reply
  8. Rainer Klaus Sonntag, der 1. Juli 2012 at 07:54

    Also, dieses Jahr war ja eine gewisse Änderung, in den Strecken.
    (Einschub: ich bin bei der Premierenveranstaltung 2009 dabei gewesen)
    Der Grundtenor der GST wird wohl immer bleiben: ab in die Pampa – sollte es auf den (verflixten) Lochplatten nicht gehen!
    Und, das ist so oder so immer Mist zu fahren – da gibt es Bewuchs, wie Brennessel etc.
    Das macht keine FReude, ist aber bei unserem Klima und unserer Landschaftgestaltung logisch.
    Man akzeptiert es selbst, oder nicht. Meldet man sich an, ging mir auch so, dann will man dieses Abenteuer haben, dieses Ungewisse! …aber auch nicht – inständig weiß man, dass da so etwas kommt, man hofft aber: „lieber Herrgott, mach es nicht so schlimm, zumindest nicht für mich…“ Klingt zwar egoistisch, aber denken wir zurück an unsere „miesen Stunden“ da draussen, als man vor einer Kirchtumsteilen bemoosten Abfahrt im Regen auf dem Lochplattenweg stand und nicht wusste wie man da runterkommen sollte oder gar wie im angrenzenden Wald …., oder wenn wir den 4. oder 5. Stacheldraht im kniehohen nassen Gras unterkriechen oder überwinden mussten….
    Genau das fesselt.
    Ich denke, ist man dann draussen im brusthohen Brennesselgestrüpp – möglicherweise noch bei Regen – dann kotzt es einen richtig an und man verflucht die Scouts und Veranstalter mit aller einem zur Verfügung stehenden „Solidität“.
    Nachher ist es aber genau das Gefühl: Toll, aber es war nicht mein Ding – und: das war eine lehrreiche und super erlebnisreiche Woche.

    Das ist das Geniale an der Grenzsteintrophy – sie erzeugt diesen Zwiespalt in der Psyche der Teilnehmer und ist genau deshalb für jeden Teilnehmer so wertvoll!!!!

    Ganz im Gegensatz zu einer stinknormalen Marathonveranstaltung. Dort geht man hin, zahlt sein Startgeld, erwartet viel, bekommt viel – und wenn nicht, reicht man Klage ein….eben ein Auswuchs der Konsumgesellschaft in reinster Güte. Das läuft bei der GST total anders.

    Und, so ging es mir, es liegt schließlich an jedem Einzelnen wie stoisch man dem vorgegeben Track folgt. Die Route sehe ich als „Vorschlag“ an, dem ich mich weitestgehend – vielleicht entspricht er meinen Neigungen – voll und ganz hingebe. Entspricht er zeitweise nicht meinen Vorstellungen habe ich eine Entscheidung zu treffen: fahre ich weiter oder suche ich mir eine mir genehmere Alternative. Ich selbst muss wissen: was kann ich, was mute ich mir körperlich und psychisch zu. Das liegt, und sollte auch nicht im Verantwortungsbereich der Veranstalter liegen.

    GANZ ENTSCHEIDEND: Ich muss, nein ich will dann aber auch andere an dieser Entscheidung und dem daraus resultierenden „neuen Wissen“ teilhaben lassen – es könnte ja auch anderen Radlern in Zukunft nutzen. Und jeder zufriedene und glückliche Radler mehr ist – hoffentlich – ein Autofahrer weniger. Wenigstens zeitweise.

    …die GST vereint wohl alles was eine Selbstversorgungsfahrt in letzter Konsequenz erstrebenswert macht – Selbstverantwortlichkeit – keine Versicherungsmentalität , aber auch s.o. eine gewisse „Anarchie“

    …eben ein klasse Ding, welches der Gunnar da aus der Taufe gehoben hat.

    Reply
  9. Beat Sonntag, der 1. Juli 2012 at 15:50

    gutes Mail Rainer…..

    Meine Rede

    Reply
  10. Giorgio66 Sonntag, der 1. Juli 2012 at 23:44

    Hallo zusammen
    sitz gerade im Flieger u lese die interessanten Beiträge, insbesondere den Bezug zur TD, die ich gestern erfolgreich absolviert habe.
    Leider fehlt mir die GST-Erfahrung, die ich als Vorbereitung individuell fahren wollte, es hat aber zeitlich nicht hingehauen.
    Daher ist meine Äußerung auch einseitig.
    Die GST ist sicher eine gute Vorbereitung, wie auch immer die Route definiert ist, primär gehts auch darum, auf möglichst viele unvorhergesehene Situationen vorbereitet zu sein (was ja fast ein Widerspruch ist).
    Natürlich macht es einen riesen Unterschied, ob ich mich nachts in Thüringen mit kaputtem Rad bewege oder in den Rocky Mountains, an einem Ort, wo die nächste Asphaltstraße 15 Meilen entfernt ist und man zudem gerade im high potential bear risk gebiet herumstolpert.
    Routendiskussionen gibt es bei der TD auch, etwa die versandete Bahntrasse in Idaho oder der CDT in NM, aber selbst ohne diese kunstlich wirkenden Schmankerl birgt die TD einiges an Überraschungen.
    Im moment habe ich nicht die Zeit, auf eine aus meiner Sicht optimale TD Vorbereitung einzugehen (die aber auch individuell unterschiedlich aussehen kann und muss), werde dies aber gerne an geeigneter Stelle nachholen.
    Ich möchte nur noch kurz anfügen: vor Jahren habe ich eine Hochtourenführerausbildung absolviert, habe u a die Matterhorn N-wand durchstiegen, habe einiges an Biwakerfahrung, bin engagierter Marathonläufer und Triathlet, und konnt in vielerlei Hinsicht bei der TD davon profitieren. In der Summe bin ich noch nie so an meine Grenzen gegangen wie in den letzte 3 Wochen. Das heißt nicht, dass man diese Voraussetzungen mitbringen muss, gar nicht, sondern ich will damit nur zeigen, wie ernst das Unternehmen ist.
    Bitte nicht missverstehen, dies soll überhaupt keine Besertung oder Abwertung der GST sein!
    Keep on ridinh
    Georg

    Reply
  11. René Montag, der 2. Juli 2012 at 09:41

    Georg, das was Du geleistet hast ist einfach unglaublich und lässt sich auch nicht in Worte fassen.
    Schön das Du wieder gesund, wohlbehalten und mit einem neuen Rad :-) zu Hause bist.

    es grüßt René

    Reply
  12. David S. Montag, der 2. Juli 2012 at 16:13

    Also wer die letzten Male dabei war, wird die Streckenführung sicherlich als Genuß empfunden haben…so leicht und gut wie dieses Jahr waren die Wege noch nie – nicht umsonst war ich dieses Mal ganze 2 Tage schneller als das letzte Mal.
    Und wieder sage ich: Wer mit dem Crosser, Gepäckträger und schweren, großen Satteltaschen kommen will, kann es gern machen, soll aber nacher nicht fluchen. Zugewachsene und matschige, rutschige Passagen sind etwas für Mountainbiker…wer da mit Rocket Ron ankommt und sich dann über mangelnden Grip beschwert – kein Wunder! Für Waldautobahnen und leichte Trails braucht man meiner Meinung nach kein Mountainbike.
    Es gibt keine Tour in Deutschland, in der das Material mehr leidet, ohne Frage und dieses Jahr war es auch bei mir mit Defekten besonders heftig (gebrochene Sattelstützenschraube, abgesprungenes kleines Kettenblatt, Kette gerissen, Navi zweimal auf den Lochplatten verloren durch das Gerüttel, Hintereifen aufgerissen, Gepäckgurt gerissen). Aber genau das suchen wir doch, genau deswegen geben die Hälfte der Fahrer bei der Trophy auf. Genau dieses Abenteuer wollen wir bei einer Selbstversorgerfahrt haben. Solche – sorry – „weichgespülten Tourenradler“ braucht die GST nicht und die Strecke sortiert sie aus. Und umso unglaublicher wird damit das, was der René die letzten Jahre zusammengefahren ist. Etwas simpel zu Fahrendes, denke ich, war auch nie Gunnars Intention hinter der GST.
    Sicher gibt es an einigen ganz wenigen Stellen noch Verbesserungsbedarf – manchmal wird man aber einfach nichts machen können, denn ein Wanderweg ist selten ein öffentlicher Weg, und da kann plötzlich immer eine eingezäunte Weide drüber laufen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen aber wissen das die Agrarökonomen und bauen ihre Weidezäune mit einem Aushängegriff, so dass man leicht durchlaufen kann und am Ende das Stromkabel wieder einhängt. Nur die ganz ganz wenigen Bauern mit den großen Kartoffeln machen das nicht und drohen dann mit rechtlichen Schritten.

    Dieses Jahr bin ich 3 Tage mit Aidan Harding mitgefahren. 2 Mal hat er die TD gefahren und für ihn waren weder die hohen Brennnesseln, noch die Felder, noch sonst etwas eine extreme Herausforderung die ihn ans Aufgeben gebracht hätten, erst recht nicht die rutschigen, moosigen Schlammpartien und steilen Lochplatten (er fährt Singlespeed und ohne Federgabel!).
    Die abenteuerlichen Geschichten die er von der TD erzählt, klingen da schon anders, auch wenn dort der Großteil der Strecke Waldautobahn zu sein scheint.
    Auch Andy Waterman der auf dem Rücken Unmengen an Gepäck dabei hatte – samt Spiegelreflex mit Objektiven – ist überall super (und ohne sich zu beschweren) durchgekommen.
    Sind die beiden Briten härter als wir, oder wissen sie einfach im Gegensatz zu manchen anderen, was es heißt zu mountainbiken?
    Wer extremes Gelände will, kann ja mal den Coast to Coast von Tim Woodcock in England fahren…sind nur etwas mehr als 300 km. Das ist wirklich hart wenn es typisch britisches Wetter gibt.
    Die GST dieses Jahr war super!! An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Scouts. Bis auf den vielen Asphaltteil (der natürlich super zum Streckemachen war) war alles im üblichen Sinne der GST.
    Für alle die sonst den Passo die Campo bei der Heckmair Route umfahren oder die die GST zu unwegsam fanden – nehmt euch einen Crosser und fahrt eine andere Strecke.
    Oder aber nehmt euch an der Willensstärke von Hans-Heinrich Pardey ein Beispiel und gönnt euch etwas mehr Ruhe und Zeit zum Fahren.
    In meinen Augen ist es eine abenteuerliche Trophy – kein superschnelles XC-Race wo es um den Sieg geht. Hier ist jeder ein Sieger der ankommt. Für mich war der Track eigentlich überall machbar – mit Ausnahme des Bauern der sich beschwert hat. Es war dieses Mal kein Gebiet dabei, wo man eine Machete brauchte und es war kein Dornröschenpark dabei. Selbst mit der kleinen Lupine Piko ist auch das Nachtfahren dieses Mal nicht anspruchsvoller gewesen als bei Tage.
    Das, was Rainer beschreibt, trifft wohl den Gedanken aller, die die GST Versionen von vorher kennen: Wir bekommen genau das, was wir von der Trophy erwarten und bekommen die Möglichkeit uns mit uns selbst auseinander zu setzen!!
    So kann es nächstes Jahr gern wieder kommen!! Vielen Dank Gunnar für die bisher beste GST! Lasst uns weiter so machen:)

    Reply
  13. René Montag, der 2. Juli 2012 at 18:24

    Punkt!

    Danke David

    Reply
  14. Axel Werner Sonntag, der 8. Juli 2012 at 20:14

    Endlich hab ich ein bisschen Zeit gehabt, mir eine Meinung zur Ausgangsmail und zur GST überhaupt zu machen.
    Immerhin hat’s lange genug gedauert, was sicherlich an dem schon oben beschriebenen Umstand liegt, dass die GST eben spaltet, und zwar die eigenen Meinung. Interessantes Gefühl.
    Hätte ich direkt nach dem Ende, bzw. korrekter Weise nach meinem Ausstieg ein Statement abgeben müssen, wäre das sicher wenig schmeichelhaft ausgefallen. Immerhin das erste Mal, dass ich bei einer sportlichen Veranstaltung im großen Stil gescheitert bin. Da liegt es natürlich nahe, erst mal alles andere, als die eigenen Grenzen, die eigenen Fehler in den Mittelpunkt der Überlegungen zu stellen. Klar habe auch ich über die Scouts geflucht, wenn ich mal wieder (kaputt wie Hund) durch’s brustwarzenhohe Brennesselinferno gebraten bin, aber andererseits kann ich mich auch mittlerweile wieder an Situationen erinnern, wie die, als ich mit Christian nach einem langen Tag, unzähligen Elektrozaunüberquerungen und Flüchen plötzlich einem Bullen und seinem Harem gegenüberstand, der uns mit ruhigem Blick zu verstehen gab: „Noch einen Schritt, und ihr seid reif!“. Das war so einer der Momente, an denen ich dachte, „JA! Genau deshalb bist du hier!“ Eigentlich alberne Männerromantik (und das jeden Tag ein- oder mehrmals), aber so what?
    Der eigentliche Punkt, der die GST für mich unwiederruflich zu einem Erfolg gemacht hat, war paradoxer Weise der Misserfolg. Zu erleben, dass es eben doch Grenzen gibt, die man nicht einfach mal eben so überwindet, dass es eben doch nur begrenzt möglich ist, mit einem Dickschädel auf einen streikenden Körper einzuprügeln, war eine wertvolle Erfahrung, die es mit weichgespülter Streckenführung und akribisch (fremd-)vorbereiteter Zeckenwarnung vielleicht nicht gegeben hätte.

    Das Einzige, dass mich auch heute noch ehrlich ärgert, ist der Umstand, dass ich wohl nächstes Jahr nicht teilnehmen kann, und deshalb die Frage, ob sich das Gelernte auch in die Praxis umsetzen lässt wohl noch ne Weile unbeantwortet bleiben wird…

    Reply
  15. René Montag, der 9. Juli 2012 at 11:42

    Nun gut dann will auch noch mal. Leider kann ich zur GST 2012 nicht viel beitragen und das ist vielleicht auch gut so. Ich kann nur über die ersten 3 Jahre berichten, was ich auch schon an mancher Stelle umfangreicht getan habe.
    2009 war der erste Start für die GST und ich habe mir viel Zeit genommen, habe mich mit der Geschichte befasst, jeden Grenzstein fotografiert und diese Tour einfach nur erlebt. Habe einen neuen Freund gewonnen, die Umstände der Tour haben uns zusammengeschweißt. Das erlebte wird man nicht vergessen, für mich war das eine Grenzerfahrung der neuen Art.
    2010 reizte es mich die GST in anderer Richtung unter die Stollen zu nehmen und mit den Erfahrungen aus dem Vorjahr, einer vermeintlich besseren Strecke exakter dem Track folgen zu können. Ich freute mich auf die bekannten Gesichter und darauf neue Leute kennen zu lernen. Und wieder war ich beeindruck, das immer noch ein bisschen mehr geht. Mir sagte man schon nach, das was ich mache sei nicht normal, doch dann triffst Du Waltraut oder Walter und plötzlich wird alles so klein.
    2011 war es nicht so einfach mit meiner Motivation, ursprünglich wollte ich nur die „alten“ und neuen Gesichter sehen und bis zum Brocken mit radeln. Doch nach dem ersten Tag war ich bereit für dieses Abenteuer.
    Was ich eigentlich damit sagen will, ich habe die GST nie als Rennen gesehen, für mich ist sie gemeinsames zu bestreitendes Abenteuer unter gleichgesinnten und das mitten in Deutschland. Hier kannst Du nur gegen dich selbst gewinnen!
    Meinen Respekt an alle Finisher und an die den Mut hatten abzubrechen, manchmal ist es schwerer die Entscheiden für eine Aufgabe zu treffen, als das Ding einfach zu beenden und sich selbst zu besiegen.

    Ich freue mich auf ein weidersehen in 2013!

    Reply

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