GST 2013: Der Bericht von Jan R.

 

 

Liebe GST-Freunde,

 hier ist der Jan aus Magdeburg.

Nachdem Dieter nun auch im Ziel ist, würde ich an dieser Stelle gern über mein (persönliche) Grenzsteintrophy berichten.

Einige erinnern sich vielleicht, ich war derjenige, welcher einigen von Euch auf halbem Wege entgegen kam. Ich hatte es im Vorfeld ja schon angekündigt, daß ich aus verschiedensten Gründen schon am Sonnabend dem 15.06. starten werde und die Tour in Süd-Nord-Richtung nehme. Es gab dafür triftige Gründe, auf welche ich hier aber nicht näher eingehen möchte. Daß ich dabei nur einige von allen Starten kennengelernt habe, war schade. Insgesamt habe ich 10 Teilnehmer getroffen, dabe mit dem einen oder anderen etwas geplaudert. Es war für mich wirklich erfrischend, Euch kennenzulernen. Im Grunde genommen fährt zwar jeder mehr oder weniger für sich, jedoch ist es ein gutes Gefühl, Gleichgesinnte zu treffen.

Es war mein zweiter Start. Aus den Fehlern des letzten Jahres, wo ich nur bis Mellrichstadt gekommen bin, habe ich gelernt. Die damaligen Ausfall- bzw. Abbruchgründe waren letztendlich die enormen Sitzprobleme (offene Wunden am Gesäß mit einer schönen Infektion …). Daher wurde jetzt die Taktik komplett umgestellt und Änderungen am Bike vorgenommen. Insbesondere Gepäck und Gewicht wurden reduziert. Der Plan war, immer in einem Hotel oder einer Pension zu schlafen und dort auch ausreichend zu essen. Daher hatte ich auch nur eine Wechselgarnitur mitgehabt, welche ich auch nur „in der Zivilisation“ getragen habe. Am Tage wurde das stinkende Zeug der „Erstausstattung“ wieder angezogen. Bei Gelegenheit zog ich die Klamotten abends durchs Wasser und reinigte die Hose, insbesondere das Sitzpolster, mit einer milden Waschlotion aus einer kleinen Reisetube. Ansonsten nur Toilettenartikel, Regenzeug, ein Biwaksack (110 g !), Kettenöl, Minitool und Taschenmesser.

Als Rucksack benutzte ich einen superleichten Trinkrucksack von Camelback (2 l), in welchem sich sonst nur ein Miniverbandszeug und (mein einziger Luxus) ein aufblasbares Sitzkissen befand. Voll aufgefüllt hatte das Trinkrucksack ein Gesamtgewicht von nur 2,7 kg, was man praktisch gar nicht auf dem Rücken merkte.

Am Bike hatte ich im Gegensatz zum vergangenen Jahr Änderungen an der Sattel- und Lenkerposition vorgenommen. Die Bereifung wählte ich sehr leicht und schmal (2,0′ vorn und 1,9′ hinten). Am Hinterrad mit wenig Profil. Beide Reifen wurden auf schlauchlos umgerüstet und mit Latexmilch gefahren. Das sparte am Bike noch einmal glatte 500 g Gewicht und minimierte außerdem das Pannenrisiko. Entsprechend leicht unterwegs habe ich am Tage bewußt Speed gemacht, mit dem Wissen, ich bekomme in der Unterkunft Futter, kann nachts in einem Bett schlafen und so ausreichend regenerieren.

Mein persönliches Ziel war es, am Sonnabend zu starten und den Sonntag der darauf folgenden Woche am Ziel zu sein. Insbesondere erfolgte mein Sonnabendstart unter Berücksichtigung meines äußerst knappen Urlaubsbudgeds. 5 Urlaubstage mußten für die Tour reichen.

Und der Plan ging auf., ich bin sogar schon am Sonnabendabend am Priwall gelandet. Hier die Streckenabschnitte.

 15.06.2013      Mittelhammer – Neustadt bei Coburg           175 km
16.06.2013      Neustadt bei Coburg – Mellrichstadt             150 km
17.06.2013      Mellrichstadt – Berka/Werra                          144 km
18.06.2013      Berka/Werra – Reckershausen                      132 km
19.06.2013      Reckershausen – Sorge                                 123 km
20.06.2013      Sorge – Bösdorf                                             158 km
21.06.2013      Bösdorf – Dömitz                                           184 km
22.06.2013      Dömitz – Travemünde                                    214 km

Gesamtstrecke inkl. Verfahrer und Abweichungen:             1280 km

Gesamtzeit:
Start am 15.06.2013, 8.00 Uhr   –   Ziel am 22.06.2013, 21.27 Uhr                           

                     7 Tage, 13 Stunden, 27 Minuten

 So konnte ich am 23.06. ausschlafen. Vor der Abreise bin ich noch einmal an den Strand gefahren. Eigentlich wollte ich da ein Bad in der Ostsee nehmen, jedoch war es an diesem Vormittag kalt, regnerisch und windig. Daher verzichtete ich, auch wegen des Erkältungsrisikos. Ich machte noch ein paar Fotos. Bezeichnend ist das Bild mit dem Schild „FKK-Strand Ende“, welches für mich symbolisch auch das Ende dieses großartigen sportlichen Abenteuers bedeutete. Die Streckenführung mit ihrer Geschichte ist einmalig, zumal ich diese dunklen Zeit als wehrdienstleistender Grenzsoldat  von 1985 – 1986 selbst miterlebt habe. Ich war da 19 … 20 Jahre alt. Erst nach der Wende und besonders mit den Erlebnissen der Grenzsteintrophy wurde mir der gesamte Wahnsinn der Vergangenheit noch einmal richtig bewußt. Im Vordergrund stand natürlich die sportliche Herausforderung. Das Gefühl, es geschafft zu haben, noch dazu in einer ganz passablen Zeit, macht mich sehr glücklich.

Ich werde jetzt das alte Damenrad von meiner Madam aus dem Keller holen, das mit dem Körbchen auf dem Gepäckträger. Dann kremple ich mir beide Hosenbeine hoch und werde einkaufen fahren. Und wißt Ihr was: „… es macht mir nichts aus …“.

Hui, jetzt habe ich doch einen Kloß im Hals und ein Tränchen im Auge.

Zum Schluß möchte ich mich bedanken, bei Gunnar, allen Streckenscouts und sonstigen Helfern, welche sich für das Gelingen der Grenzsteintrophy einbrachten.

Ob ich das nächste Jahr dabei bin … ich weiß es noch nicht. Aber es wird nicht die letzte Trophy gewesen sein. Diese faszinierende Strecke, in gefühlter unberührter Natur und doch so dicht an der Zivilisation, ist für mich immer wieder interessant. Ein Stück davon im Bereich Helmstedt liegt ja fast vor meiner Haustüre. Und auch wenn ich im Harz meine Runden drehe und dann irgendwann auf den Kolonnenweg komme, beschleicht mich ein eigenartig-mulmiges Gefühl. Und dann ruft sie wieder, die Herausforderung, das Erfahren und Erleben der eigenen Leistungsfähigkeit. Und sie läßt mich einfach nicht los … die Grenze … .

Ich grüße alle Teilnehmer, die Finisher und auch diejenigen, die abbrechen mußte. Unter Umständen sieht man sich ja mal bei einem Wochenend-Biwak. Gunnar hat im letzten Jahr ja des öfteren dazu eingeladen. Vielleicht läßt er diese Events wieder aufleben.

 Das war der Bericht von Jan aus Magdeburg … tschüß

Natürlich freuen wir uns auch über weitere Berichte anderer GSTler des Jahrgangs 2013 … einfach samt Bildern mailen!

9 Kommentare

  1. Charles Copeland Dienstag, der 2. Juli 2013 at 21:57

    Eine tolle Leistung, ich beneide dich!
    Bei mir hat es 11 + ein Viertel Tage gebraucht … Und ich dachte dass ich es spielend in 8 Tagen schaffen wuerde.
    Aller Achtung, du bist jetzt eingeschrieben in meinem persoenlichen Pantheon. Ein wahrer Held. Vielleicht treffen wir uns eines Tages …. Ich wuerde mich sehr freuen
    Charles

    Reply
  2. Franky Mittwoch, der 3. Juli 2013 at 09:53

    Moin Jan,
    toller Bericht!
    Ich hatte bei bestem Wetter auf dem Brocken das Vergnügen, dich zu treffen und habe noch so manches mal an dich gedacht, da du ja nur mit einem rudimentären GPS
    unterwegs warst, und im Süden keinerlei Spuren anderer GSTler sehen konntest.
    Gruß Franky
    P.S.
    und die Augenlider sind wieder o.k.!

    Reply
  3. Ralf Mittwoch, der 3. Juli 2013 at 14:23

    Hallo Jan,
    wir haben uns für mich vor dem Brocken beim Einkaufen getroffen (Ort???). Deine „Drohungen“ bezüglich der Rhön haben sich bei mir zum Glück nicht bestätigt. War alles ziemlich abgetrocknet und es lief recht gut. Trotz meines großen Marschgepäcks und der fehlenden (?) Federung bin ich am 26.6. um 22:30 Uhr im Ziel angekommen. Auf den letzten Kilometern haben sich die Lochplatten nochmal eindringlich in meine Erinnerung ein gerüttelt. Aber dank der Gastfreundschaft der Inhaber der „gemütlichen Kleintierschänke“ (trotz der späten Ankunft leckere Brotzeit, einem trockenen ruhigen Schlafplatz (vom leisen Schnorcheln von Franky abgesehen) und einem leckeren Frühstück) war diese letzte Rüttelattacke schnell vergessen. Gefreut hat mich auch, dass ich Franky gesund wiedergetroffen habe. Mit ihm konnte ich auch schon die ersten Eindrücke austauschen. Als dann noch Olaf pünktlich zum Frühstück eintraf, war die perfekte Tour vollends abgerundet. Danke auch an die vielen GStler, mit denen ich unterwegs einen Teil der Strecke fahren durfte. Sie haben mir die ohnehin schon erlebenswerte Tour noch versüßt. Alle meine Erwartungen und Hoffnungen auf ein naturnahes Abenteuer, mit netten Begegnungen wurden erfüllt. Außer, ich hatte es mir nur noch ein wenig schwerer vorgestellt. Aber glaube mir, es reichte aber auch so vollends.
    Viele Grüße aus Münster
    Ralf

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  4. Beat Freitag, der 5. Juli 2013 at 11:54

    Alles nett und gut……………..
    wenn man jeden Abend ins Hotel geht, etwas warmes zu Essen vorgesetzt kriegt und ein warmes Bett und Dusche zur Verfügung hat, fehlt doch irgendwie der groove!!
    Wenn das einreissen sollte, wäre es doch wünschenswert,verschiedene Kat. zu haben denn da wird mit unterschiedlichen Voraussetzungen gefahren………………….
    In diesem Sinne
    Kette rechts
    Beat

    Reply
    1. David Freitag, der 5. Juli 2013 at 15:46

      Warum Beat? Schneller ist man dadurch auf keinen Fall. Ich gehe gar nicht mehr ins Hotel…die ganze Zeit die man da verliert… kannst maximal bis 8 abends fahren und kommst frühestens um 8 morgens wieder auf die Piste….
      Mit dem Groove gebe ich Dir völlig recht, aber den Rest sollte jeder so machen wie er mag:) Mehr Zeit für Komfort ist doch völlig in Ordnung!
      Fands super, das Jan soviel Spaß dadurch hatte, und die Tour zu ende fahren konnte! Da ist er mir vorraus:)

      Reply
      1. Beat Freitag, der 5. Juli 2013 at 15:58

        Hallo David
        Will nicht sagen dass es die Leistung schmällert aber ob man mit Gepäck reist und draussen schläft oder ob man AI bucht ist schon ein Unterschied!!

        Reply
  5. Ralf Freitag, der 5. Juli 2013 at 19:33

    Hallo Beat,
    Ich fand es draußen am schönsten und erhole mich da prima. Die fremden meist zu kurzen Betten wären Gift für mich. Aber bei Anderen ist es genau anders herum. Die können sich auf der Matte nicht erholen und bekommen draußen auch keine Ruhe. Der Eine ist Fleisch, Nudeln und meint, dass das Energie bringt, der Andere nimmt Pauer-Riegel. Ist doch alles Sch… egal. , In der Gruppe, alleine oder, oder, oder…… Hauptsache man erlebt die Tour und die Strecke überhaupt, und zwar jeder so wie er mag. Es lohnt sich aber meines Erachtens immer.
    Gruß
    Ralf
    so wie er selber mag.

    Reply
  6. Charles Copeland Montag, der 8. Juli 2013 at 10:11

    Beat,

    Ich habe alles ausprobiert. Hier ist ein Kurzbericht meiner Uebernnachtungsgeschichte:

    Mo 17
    Nacht durchgefahren (UHE)
    Di 18
    Drei Stunden Schlaf im Freien neben dem Kolonnenweg (HE)
    Mi 19
    Hotel in Braunlage (WE)
    Do 20
    Hotel in Bad Sooden (WE)
    Fr 21
    Schlaf irgendwo in einer Huette im Berge (HE)
    Sa 22
    Schlaf im Foyer der VR-Bank NordRhoen in Geisa (MHE)
    So 23
    Hotel IBIS in Fulda (ich wollte aufgeben, mehr spaeter im Detailbericht) (USWE)
    Mo 24
    Hotel Eisenacher Haus (WE)
    Di 25
    Schlaf in einer Huette im Walde (HE)
    Mi 26
    Vier Sterne Hotel in Baechlein (UWE)
    Do 27
    Cafe und Pension am Rennsteig, Blankenstein (WE)

    HE = Kategorie HartEi
    WE = Kategorie WeichEi
    UHE = Kategorie UltraHartEi (Nacht durchgefahren)
    MHE = Kategorie MittelHartEi (Schlaf im Foyer einer Bank)
    UWE = Kategorie UltraWeichEi (4 Sterne Waldhotel Baechlein)
    USWE = Kategorie UltraSuperWeichEi (Hotel IBIS, Fulda, als ich aufgeben wollte)

    Eigentlich habe ich uerspruenglich geplant der Reihe nach eine Nacht draussen / eine Nacht drinnen zu verbringen (hauptsaechlich um Kleidung zu waschen und Akkus zu laden, nicht komforthalber), aber wie man sieht lief das etwas anders in der Wirklichkeit: eine Nacht ohne Schlaf, drei andere Naechte draussen, sechs drinnen, und eine zwischen draussen und drinnen (NordRhoenBank Foyer).

    Ich finde beide ‚Extreme‘ haben ihren Reiz. Wichtig ist, man schafft es bis zum Dreilaendereck anzukommen. Das hat Jan geschafft — und darueber einen ganz tollen Bericht geschrieben. Aller Achtung.

    Reply
  7. rob Mittwoch, der 11. September 2013 at 11:54

    Hallo Jan,

    warum die schmalen Reifen?

    Reply

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