1378km … Ein Computerspiel der Demokratie

Jens M. Stober ist Student der Medienkunst und hat ein Computerspiel zur ehemaligen Deutsch-Deutschen Grenze kreiert: es heißt „1378km“. Der Spieler ist wahlweise Republikflüchtling oder Grenzsoldat und schon nach wenigen Spielminuten ist er mit wesentlichen (Gewissens)Fragen konfrontiert: Wie viel risikiere ich für meine Freiheit? Schieße ich oder schieße ich nicht? Pflichterfüllung oder Nächstenliebe, welches Leitmotiv soll mein Handeln haben?… Im echten Leben will wohl keiner diesen Situationen ausgesetzt sein; ein Spiel erlaubt nun in die Rollen zu schlüpfen und die eigenen Werte damit zu schärfen.

Ja, man möchte meinen, eine Rupublik 20 Jahre nach ihrer Vereinigung freue sich, dass junge Menschen sich der jüngsten Vergangenheit nähern und dies Dank eines jugendgerechten Format tun. Aber ist es wieder einmal anders: Stober hat „ordentlich Meinungsprügel“ von den (BILD)-Medien bezogen. Und andere machten direkt mit!

Der Vorwurf, ein Ballerspiel kann keine politische aufklärende Wirkung entfalten, erinnert an die Diskussion rund um die „harten“ Anti-Kriegsfilme wie zum Beispiel „Platoon“.

Aber ist eine Demokratie nicht die Spielwiese auch für solche provokanten Aufbereitungen eines sehr ernsten Themas? Mit welchem Recht spricht man der Grenzgeschichte die Eignung für einen spielerischen Diskurs der jugendlichen Offentlichkeit ab?

Straft man die Opfer der Grenze nicht ein weiteres Mal, indem ihr Schicksal einer kontroversen (Spiele-)Aufbereitung in einer demokratischen öffentlichen Diskussion entzogen werden soll? Wollten die meisten Grenzopfer nicht in die Freiheit? Und das meinte sicher nicht Bananen, sondern Meinung, Diskurs, Gedanken, vielleicht sogar die freie Wahl, jedes erdenkliche Computerspiel zu spielen …

Nein Demokratie ist kein Ponyhof. Sie fordert und fördert den kritischen Diskurs. Sie will jeden Tag von neuem verteidigt und damit praktiziert werden. Es gilt: Keine Toleranz der Intoleranz!

Bleibt die Frage, wann die Grenzsteintrophy sich einer derartigen Diskussion stellen muss? Oder besser: Wenn es denn eine Diskussion ist, so doch immer gerne, das ist Demokratie! Aber bitte keine Vorverurteilung; das ist Diktatur!

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