GST2017-Bericht von Uwe S.: „Erfahrung der Grenzen“

Noch immer schwebe ich auf Platte 7, was für eine irre Sache, was für ein Erlebnis!! Zur gemütlichen Kleintierschänke , schon bei dem Namen muss ich wieder grinsen! Genial skurriler Treffpunkt am Vorabend der GST mit Bier vom Fass, Thüringer Gegrilltem und einer Schar individueller Bikepacker mit entsprechendem Setup. Ob Fatbike, Hardtail, Fully, Kettenschaltung oder Getriebe, es bietet sich eine faszinierende Ansammlung, ich bin begeistert! Wie schön dabei zu sein. Nach 2-6 Bier und einer gemeinsamen Nacht im Tanzsaal der Kneipe geht es endlich raus auf die Platten, zum Startpunkt der GST im Dreiländereck Tschechien, BRD, ehemalige DDR.

Eine kurze Ansprache von Gunnar und schon nimmt die GST 17 Fahrt auf. Ca.1300km und 20000hm warten darauf von den mehr oder weniger dicken Stollenreifen geschluckt zu werden und halten so manche Überraschung bereit……“be prepared for the unprepared“.

Die Platte, der Kolonnenweg: Teil der innerdeutschen Grenzanlage der ehemaligen DDR und laut Wiki: “ weitgehend erhalten, aber sehr beschwerlich zu befahren“…grins, so soll es sein! Tufftufftufftuff, das Geräusch, die Schläge der in Löcher fallende Reifen brennen sich ins Hirn, hörst und fühlst du dieses nicht, läuft es entweder perfekt auf einem Steg, oder du bist neben der Platte und ein Sturz recht wahrscheinlich. Der Bewuchs ist trügerisch, wähnt dich in Sicherheit, aber weit gefehlt! Stellenweise fällt die von Gras verdeckte Kante um bis zu 20cm ab, ein Sturz beim Überschreiten fast unumgänglich. Also höchste Konzentration, möglichst mittig ausbalancieren, die Platte lesen und genießen! Wie geil ist es, in den welligen Passagen das Rad laufen zu lassen, mit Schwung die Welle im Stile einer Achterbahn zu nehmen. Liegt die Platte quer, wird es steil, teilweise sehr steil, schieben mit dem bepackten Rad kaum zu vermeiden, aber auch durchaus eine angenehme Abwechslung.

Und wie oft wird man dann mit einem phänomenalen Ausblick entschädigt, einfach genial. So verlaufen die ersten beiden Tage schon fast friedlich, auch wenn mich die Geschichten, welche die Grenze mit dem Todesstreifen geschrieben hat, sehr bewegen. Ob das geteilte Dorf Mödlareuth, die Flucht übers Minenfeld oder der Tod von Herrn Smolka 1960 im Jahr meiner Geburt. Oft unvorstellbar und darf einfach nicht in Vergessenheit geraten. So bringt mich der Trail Magic z.B. zu einem älteren Ehepaar um die 80 Jahre, sie laden mich zum Frühstück ein und ich höre ihnen zu. Die Geschichten von Teilung, Enteignung, Denunzierung, Flucht, Leid und Stasiakten in denen Freunde zu Verrätern wurden. Was mich dabei besonders bewegt, als der ältere Herr sagt: „Sie sind ein Unbekannter, aber in der kurzen Zeit haben sie mehr von uns erfahren, sich mehr für unsere Geschichte interessiert, als viele unserer nächsten Angehörigen. Und glauben sie, wenn wir heute in der Gemeinde zusammen sitzen und mal ein Gläschen mehr getrunken wird kommen immer noch Sprüche wie, im Osten war ja doch alles recht gut.“

Am 2. Tag sehe ich plötzlich ein bekanntes Berliner Trikot, halluziniere ich schon, Thomas! Wie jetzt, ich dachte er wäre schon über den Brocken, doch leider haben ihn Reifendefekte eingebremst und so reiten wir gemeinsam über die Platte, besser gesagt wir düsen. Es macht einen höllen Spaß, in den Abfahrten laufen zulassen, mit Vollgas in die 30%tigen Wellen bis nichts mehr geht, Rest schieben, Ausblick genießen, weiter nebeneinander Gas geben und grinsen. Es läuft recht gut und selbst die dschungleartig zugewachsenen Teilstücke und heftigen Schiebepassagen schrecken nicht ab. So erreichen wir den Campingplatz Irmelshausen, schlagen uns den Bauch mit Burger, Pute und Weißbier voll, schnappen noch ein Bier to go und machen uns weiter einen passenderen Schlafplatz zu suchen. Ein Omen? Der erste schwer bewaffneten Jäger kommt zu Fuß daher, der zweite sitzt auf einem Hochsitz und wird uns auf dem folgenden sehr langen Schiebeteil gewiss kopfschüttelnd beobachten. Mh, zumindest ist nun die Wahrscheinlichkeit auf einen weiteren zu treffen laut Murphy äußerst gering, scherzen wir. Entscheiden uns für einen Schlafplatz, packen aus und wer kommt in dem bereits dämmernden Tag über den Kolonnenweg gestiefelt, der dritte Jäger. „Das geht nicht, wir sollen uns schleichen, er wolle 30m weiter Ansitzen“, meint er. Wir erklären ihm höflichst in welchem Auftrag wir unterwegs sind, was ihn nicht wirklich umstimmt, jedoch die Aussage entlockt, dass 2km weiter ein kleines Grenzmuseum sei, dort wird schon mal schwarz gecampt. Aha, und tatsächlich, mit Blick an den Bäumen vorbei sehen wir ihn, den Grenzturm. Nicht lange gefackelt packen wir die Sachen, lassen den mürrischen Jäger zurück und beziehen eines der wohl genialsten Nachtlager auf der Platte, passt. So genießen wir in der umwerfenden Abendstimmung mit herrlichem Farbspiel unser Bier und quatschen uns in die sternenklare Nacht, grandios. Das die Uhr gerade mal 310km gesamt anzeigt ist nun gerade auch nebensächlich, wir beide unsere Ziele dahinschwinden sehen auch. Thomas am Donnerstag mit Sprung in die Ostsee, ich spätestens am Samstag.

Km 310 ca., alles ist gut“

Was soll ich sagen, der folgende 3.Tag ist mit Worten kaum zu beschreiben. Himmel und Hölle, Achterbahn nicht auf der Platte, sondern im Kopf. Einer dieser Tage, wo der Kopf Schwäche zeigt, der Körper einfach nur funktionieren muss, um den Kopf wieder einzunordnen. Ich liebe die Rhön, aber den ganzen gefühlten Tag quälen wir uns über den Kolonnenweg bzw. was davon noch zu sehen ist. Wir schleichen und schieben über die zugewachsene Platte, zerren die Räder durch Gebüsch und dichtes Gehölz bei enormer Hitze. Bremsen, Mosquitos und Zecken suchen mich heim wo sie nur können, zudem mache ich den großen Fehler geschäftlich zu telefonieren, shit. Unsere Laune ist mies, wer denkt sich solch eine Geschichte aus! Mist, die Rhön ist doch eigentlich so schön. Wir schmieden Pläne, Thomas über CandyB nach Berlin, ich der Werra entlang nach H.Münden. Wir setzten uns eine Frist. Heute noch, morgen früh entscheiden wir und irgendwann sagt Thomas, bald sind wir auf dem CandyB. Ist es das, meine Stimmung steigt schlagartig und ein Ziel fürs Nachtlager ist bald gefunden, Point Alpha. 17km noch, es läuft wieder und vor Sonnenuntergang erreichen wir unser Ziel. Wir haben wieder einen Lagerplatz der wohl besser nicht sein könnte, passen sogar in Reihe schlafend auf die wie angegossene Bank und genießen es. KM 410 ca., puh, wenn das so weiter geht, aber abgerechnet wir ja immer am Schluss“ Was für ein Sonnenaufgang, fantastisch! Ich bereue keine Sekunde, koche mir meinen Kaffee und selbst Thomas schält sich aus dem Schlafsack.

Der 4. Tag bricht an und der Brocken rückt näher, vergessen sind die schwermütigen Stunden in der Rhön und so steht ohne Frage fest, wir fahren das Ding zu Ende, jeder auf seine Weise. So fahren wir noch gemeinsam bis Vacha, schnappen uns eine Bäckerei, Thomas div. Ersatzteile und trennen uns auf unbestimmte Zeit. Konzentriert folge ich dem Track, der Platte, es ist heiß, die Möglichkeiten der Versorgung sind rar, aber der Schlüssel zum Erfolg. Wo kann ich etwas schnappen, muss ich den Track verlassen, was wiederum Zeit und Energie kostet. Und genau das ist eben auch ein riesen Spaß und eine große Herausforderung, eben „Self Support“. In Gedanken gehe ich meine Beine durch, meinen Kopf, die Reserven, die Taktik. Klar fahre ich im Grundlagenbereich, versuche die steilen Rampen, nicht immer einfach mit dem schweren Bock, zu kontrollieren, denn eins ist gewiss, nach hinten raus kann es so richtig zäh werden. Schwerer Bock natürlich auch daher, weil ich möglichst alle 3 Flaschen gefüllt habe bevor die letzte angebrochen ist, ich immer soviel zu beißen habe, dass ich zur Not 100-200km am Stück fahren kann. Und ja, ich gönne mir eben den Luxus morgens einen Kaffee kochen zu können und für die Nacht meine dünnen Merinoklamotten, habe mein leichtes Zelt dabei und genug Material um div. Reifenpannen beheben zu können, wie auch eine zweite Lampe. Entsprechend unabhängig bin ich, kann überall und jederzeit bleiben oder fahren, ein angenehmes Gefühl, halt mit etwas mehr Gewicht und einigen Flüchen erkauft. Ich gehe meinen Gedanken nach, was würde ich anders machen, passt die Ernährung. Warum fahre ich nicht einfach mal eine Nacht durch und schaue was noch so geht, was machen die anderen so auf der Strecke, Daniel und Jochen, Jan, Siggie, Ole, Thomas, immer mal hat man sich gesehen, ob sie gut durchkommen!? Es vergeht Stunde um Stunde auf dem Rad, doch die Zeit ist kurzweilig, die Route vor Bad Sooden-Allendorf einfach klasse. Naja, eventuell bis auf die grüne Hölle bei Ifta, eine zugewachsene feuchte Plattensenke. Kann mich nicht erinnern wer mich da von den beißenden, stechenden Insekten mehr attackiert hat, mögen tun sie mich ohne Frage alle…grrr. Den Plan bis Burg Hahnstein zu fahren verwerfe ich spontan, denn die Hütte am Rand der Platte ist genau das was ich gerade brauche. Am Rand der Platte!? Auf der Seite war doch der Todesstreifen, diese unmenschlichen Minen welche nicht töten, sondern schwer verletzen sollten. Angeblich sollen immer noch welche teuflisch im Erdreich schlummern, aber hier wird schon alles ok sein und so genieße ich einen wundervollen Sonnenuntergang, eine wieder grandiose Nacht auf der Platte. Wie könnte ich das mit einem Hotel tauschen, das wäre ja Frevel. Zur GST, zum Bikepacking gehört die Natur und die spüre ich besonders im Wechsel des Lichtes, in den Geräuschen der Nacht. Und so liege ich in der Daune von glücklichen polnischen Gänsen, höre dem Rotwild, den Rehen, Füchsen, Greifern, Mäusen und auch dem Käfern im raschelndem Laub zu. Und wiederum gönne ich mir einen Luxus unter sternenklarer Nacht, mein Moskitonetz bzw. Innenzelt, denn die welche mich so mögen, müssen leider draußen bleiben. Ja, ich bin glücklich darüber jede Nacht während der GST draußen verbracht zu haben. Und erträume einen neuen Plan, morgen werde ich den Brocken entern.

KM 535 ca., in 4 Tagen, naja, übe dich in Geduld und fahre das was geht“

Früh mache ich mich auf den Track, versorge mich über einen kleinen Umweg in Bad Sooden-Allendorf, freue mich auf die Teufelskanzel und Burg Hahnstein, eine wunderschöne Gegend. Kann ich den Brocken schon riechen, ist er nicht schon in der Ferne zu sehen!? So oft es geht ducke ich mich auf den Auflieger, geht sogar auf der Platte, entspanne Rücken, Schulter und Arme. Es rollt ganz gut, mein Timing bzgl. fahren, essen und schlafen passt. Und selbst den Kreuzweg erklimme ich ganz ordentlich, auch wenn ich kurz überlege, ob ich das Rad hier schultern muss. Die Zeit für einen kurzen Besuch im Museum Eichsfeld nehme ich mir, quatsche mit den Beschäftigten und ernte ungläubige Blick. Die kpl. Grenze, den Kolonnenweg, nicht wirklich, geht das!? Ja, das geht, und tatsächlich sollten sie sich mal die Seite der grenzsteintropy.de anschauen! Mit Pellkartoffel, alkoholfreiem Weißbier und Cola im Bauch gravel, ähm, (be)toniere ich weiter, den Brocken im Visier. Und irgendwann ist er wieder da, der Kopfknacker, der mentale Shitstorm. Ich sehe den Brocken in der Ferne, er rückt näher, doch dann rückt er wieder weg, ist nicht mehr zu sehen. Mist, die Zeit wird knapp, schaffe ich es noch über den Brocken, bald wird es dämmern, in der Dunkelheit hoch, mh. Nun ist es genau die mentale Herausforderung welche ich so sehr mag, wollen mal sehen wer der stärkere Brocken ist, ich werde dich heute, und zwar vor Mitternacht bezwingen. Über traumhafte Panzerplattenpassagen und Waldwege schraube ich mich rauf und runter dem eigentlichen Anstieg entgegen, bin begeistert von der abendlichen Stimmung und lasse mich trotz großer Anstrengung von der Umgebung inspirieren. Wow, was für ein Ding, heute werde ich auf dem Brocken schlafen. Dann kommt die Dunkelheit und ein heftiger Wurzeltrail fordert einiges an Fahrkunst. Was für ein Glück, neben der fest installierten habe ich ja noch die Stirnlampe, erreiche die Downhillstrecke, kreuze die Skipiste und fahre bald an der Brockenbahn entlang das letzte Stück bis zum Gipfel, und staune. Kann der Brocken sich von einer besseren Seite zeigen, wohl kaum. Was für ein nächtlicher Fernblick, die Milchstraße steht fast kitschig am Himmel, nur ein kleines Lüftchen bewegt sich, das ist erfahrenes Glück, ich fühle mich frei. Mein Lager beziehe ich in der Heinrich Heine Hütte, welcher selber diese schon bewohnt hat, koche mir Wasser für Trockenkartoffelbrei und bin unglaublich zufrieden. KM 700 ca., schon viel besser“

Um 4:00 Uhr werde ich durch das Geschnatter und Gekicher von einer Schar Brockenhühner geweckt, wollen sicher den Sonnenaufgang beobachten. Das will ich ganz sicher, koche mir meinen Kaffee und tauche in die glühend aufgehenden Sonne. Die Brockenabfahrt auf der Platte ist schon fast surreal, was haben die hier gemacht, wie haben die das kontrolliert, welchen Aufwand haben die generell geleistet um ihr eigenes Volk einzusperren, unfassbar. Schnell versenke ich schweren Gedanken in die Löcher der Platte und lasse laufen, kaum kann ich rechts und links alles erfassen, folge dem Fluss bis Stapelburg, die ich aber liegen lasse. Helmstedt Marienborn, wie oft bin ich als junger Mann über diese Grenze, wollte ja schließlich zu meiner Freundin. Alte Erinnerungen von sich aufstellenden Nackenhaaren, von seltsam blickenden Typen die jeden Winkel durchsuchen, dem Gefühl ein Verbrecher zu sein, ein Eindringling, ein Unerwünschter. Über den Transit ging es dann Richtung Berlin, keine Ausfahrt, was wenn mein 1606 hier verreckt, was geht dort ab, beobachtet mich wer. Berlin war eine Insel, dem CandyB sei Dank, alleine das ist Grund genug die GST, den CandyB zu fahren und wer weiß, eventuell schlummert irgendwo auch eine Stasiakte von mir. Dunkle Wolken ziehen auf, Veränderung liegt in der Luft, aber ich habe einen Track und dem folge ich, zudem möchte ich nun endlich die Nacht durchfahren, eventuell sogar bis zur Ostsee, will mal wieder meine Grenzen ausloten. Tatsächlich kann ich mich an die folgenden Kilometer kaum erinnern, meine Gedanken schweifen ständig oder ich habe einfach keine, bis kurz vor der Dämmerung. Dann plötzlich ist irgendetwas ganz anders, ich bremse das Deadwood und schaue in den Himmel, alle Sinne spitzen sich zu, es ist trügerisch still, kein Lüftchen bewegt sich. Und dann bricht es turbinenartig los, der Wald stöhnt auf, Bäume verwinden sich, gehäckselte Blätter fegen mir um die Ohren, Äste krachen zu Boden. Wo soll ich hin, im Wald ist es lebensgefährlich, keine Schutzhütte geschweige ein Dorf in der Nähe, zudem ist es schlagartig dunkel geworden. Klar, ich habe die Front gesehen, aber war sicher nicht in diese zu geraten. So verharre ich 10Min. mit ständigem Blick nach oben mir der Gefahr bewusst, dass ein Ausweichen fallender Bäume und Äste kaum möglich wäre. Der Sturm macht eine kurze Pause und so folge ich in Eile weiter dem Track in der Hoffnung Schutz zu finden. Dann ein Linksknick, das ekelhafte Geräusch von schnalzendem Profil entlang der Panzerplattenkante und schon kracht das Deadwood in den Beton und ich mit in diesen. Wow, wo kam die plötzlich her, Idiot, was machst du da, weißt doch, man darf sich auf der Platte nicht den kleinsten Fehler erlauben, reiß dich zusammen. Lenker verdreht, Knie gekerbt und geprellt, ansonsten Glück im Unglück, also alles schnell gerichtet, Stirnlampe auf und weiter. Das Gewitter dreht nun voll auf, Blitze zucken um mich herum, es regnet Kübel, Bäume fallen, muss weiter, mich konzentrieren. Da, ein großer Jägerstand, leider verschlossen, Schloss will nicht brechen, suche den Garmin ab und da, ca.3km weiter eine Hütte. Passt, angekommen ist diese sogar brauchbar, selbst von der Ausrichtung her. Der Plan, die Nacht durchzufahren ist somit gecancelt, schnell die Schlafstätte eingerichtet, in Windeseile pelle ich mich aus den nassen Klamotten und schlüpfe in die wärmende Daune. So vergesse ich tatsächlich schnell den tosenden Sturm, Blitz und Donner, ja, kann sogar 5 Stunden relativ gut schlafen. In dämmernden Gedanken lasse ich die letzten Tage Revue passieren, was für ein Erlebnis, was für Extreme.

KM 930 ca., mache die Rechnung nie ohne die Natur“

Am Morgen wird schnell deutlich, es war lebensgefährlich und sich draußen aufzuhalten mutig. Naja, und die restlichen 350km am Stück zur Ostsee zu fahren wohl ein kühner Gedanke. Keine Ahnung wie viel gefallene Bäume ich überwunden habe, wie lange ich über verschlammte, zudem von Waldmaschinen zerstörte Waldwege geschlingert bin, irgendwie immer nur weiter. In Stapelburg kurz die kpl. Ration fürs Durchfahren gebunkert und mich beim eigenartigen Verhalten erwischt. Zumindest habe ich in meinem Leben noch nie Currywurst mit Pommes „Rotweiß“ um 9 Uhr morgens verschlungen. Ach ja, und der Kaufland vor dem ich diese verspeiste war für mich wie ein Kulturschock, die Tage auf der Platte zeigen Wirkung, erstaunlich. Und dann sah ich sie wieder so deutlich wie nie, die Spuren im Sand. Schon vorher habe ich mich viel mit ihnen beschäftigt, Spuren von Daniel, Jochen, Siggi, Jan, den Nobby Nics, dem fliegenden Holländer usw., so einiges lässt sich daraus deuten und es lenkt wunderbar ab. Und nun waren es nur noch die von Thomas und Ole. Die Elbe, da ist das Ende doch schon fast greifbar, fülle zum letzten Mal die Flaschen, setze mit Fähre über und bin mir sicher, diese Nacht fahre ich durch. Irgendwann treffe ich auf Ole, er macht es sich auf einem Hochsitz gemütlich um die Nacht trocken verbringen zu können. Da war es nur noch eine Spur und mit dem Verursacher dieser würde ich mich gerne am Strand von Priwall und zum Frühstück treffen. Der einsetzende Regen ist mir nun egal, die 2 Lampen Beleuchtung ausreichend und auch ansonsten habe ich alles zur Genüge. Ohne auch nur eine Pause ziehe ich so meine Bahn, in der Nacht fahre ich an Ratzeburg vorbei , lasse Lübeck links liegen, ziehe im Morgenlicht die letzte Ehrenschleife um die Dassower See und betrete schließlich den Strand von Priwall.

Endpunkt Track GST_12b….mein Garmin zeigt: 1293km, 20485hm, 24.06.17 5:00 Uhr

Stille, Ehrfurcht, Glück…ein wirklich besonderer Moment. Fazit:

  • Ich werde ganz sicher noch lange und immer wieder in Gedanken auf der Platte landen.Ein Erlebnis der wirklich besonderen Art das jeder abenteuerlustige Bikepacker einmal gemacht haben sollte.
  • Die Platte liebt oder hasst man, oft auch beides gleichzeitig.Sie fordert höchste Konzentration, verzeiht keine Fehler, bietet aber auch maximalen Spaß.
  • Self Support: Genau mein Ding und bei der GST wegen oft fehlender Infrastruktur eine zusätzliche Herausforderung.Immer wieder neue Strategien entwickeln, Plan B/D/C im Kopf und alles Nötige am Rad zu haben, jedoch sich trotzdem zu reduzieren, einfach genial. Dagegen sind vorgewärmte, durchorganisierte Massenveranstaltungen Peanuts.
  • Deutsche Geschichte, Sport, Abenteuer und Natur in der Form zu erfahren wohl einmalig. Die ehemalige innerdeutsche Grenze, das grüne Band ist heute ein Juwel von ca. 1300 km Länge, vom Dreiländereck Tschechien bis zur Ostsee. Kaum eine Menschenseele, Tiere wie ich sie selten gesehen und gehört habe, das Gefühl von Weite, Freiheit und intakter Natur.
  • Der GST 17 Track ist phänomenal! Neben der Platte schenkt er alles was geht! Gravell-, Matsch-, Sand-, Gras-, Brenessel-, Trage-, Wald-, Feld-Passagen und selbst das über-, unter-, durch-klettern von entwurzelten Bäumen hält er parat. Und, wir reden über knapp 1300 km mitten durch Deutschland!!!…für mich immer noch sehr erstaunlich und überwältigend.
  • Den Trail Magic zu erleben, sich die Geschichten der Menschen anzuhören faszinieren mich immer wieder aufs Neue! Irgendwann werde ich mir viel Zeit für diesen Track und seine Geschichten auf und am Rande nehmen.
  • Die Teilnehmer ein Haufen individueller Gleichgesinnter besonderer Art. Hier kannst du einfach nur neue Freunde gewinnen, was ich in dieser Form noch nirgendwo erlebt habe!

Besten Dank für die Vision und Umsetzung dieser tollen Trophy, eben die “Grenzsteintrophy“

#25 Uwe S.

1 Comment

  1. Daniel Hiestand Sonntag, der 11. Februar 2018 at 23:02

    Toller Bericht, sehr schön und treffend geschrieben, lieber Uwe. Wir hatten tolle und erlebnisreiche Tage zusammen auf der GST 2017. Ich muss immer wieder daran denken.

    Schöne Grüße,
    Daniel

    Reply

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.